Bürokultur heute, Silke Heep-Rheinganz, Bacharach-Neurath
Bürokultur heute, Silke Heep-Rheinganz, Bacharach

Mit der Sache enden ...

Ende gut, alles gut?

 

Ach, wie sehr lieben wir doch den Satz „Sollten Sie noch Fragen haben, stehen wir Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.“  Er sprudelt uns nur so aus den Fingern, genau wie „Über eine baldige Antwort würden wir uns freuen und verbleiben bis dahin mit freundlichen Grüßen.“ Doch auch „Wir hoffen, Ihnen hiermit gedient zu haben“ ist ruckzuck aufs Papier gebracht – ganz ohne großartig nachdenken zu müssen … Besonders hoch im Kurs steht auch noch „In Erwartung Ihres geschätzten Auftrages verbleibe ich mit freundlichen Grüßen.“

Puh, was sind wir doch froh und erleichtert, endlich das Ende des Briefes oder der E-Mail erreicht zu haben und nach all der bereits investierten Zeit und dem Kopfzerbrechen in die Briefeinleitung und den Hauptteil nun endlich – ganz mühelos – so tief Sitzendes abrufen und in die Tastatur tippen zu können ...

 

Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass es nicht allein die „Bequemlichkeit“ ist, die uns immer wieder zu solchen Floskeln greifen lässt. Zu diesen verstaubten Sätzen verleitet uns auch oft der Gedanke, ohne Schlussformel unfreundlich, unhöflich zu erscheinen. Man kann doch schließlich nicht einfach mit dem Sachinhalt aufhören, oder? Und schon sind wir beim triftigsten Grund, warum wir keine zeitgemäßen Formulierungen wählen: Weil wir uns nicht trauen!


Doch diese Unsicherheit ist absolut unbegründet, denn es müssen eigentlich nur zwei Dinge beachtet werden:

1. Wir sollten an den Briefempfänger denken: Was erwartet er? Wie versteht er den Gruß?
2. Wir steigen möglichst mit der Sache aus!

Sie wünschen sich ein paar Beispiele ohne Floskeln und "Blabla"? Hier sind sie:

 
1. Sätze zum Briefausstieg:

  • Wenn Sie Fragen haben, rufen Sie mich einfach an.
  • Weitere Fragen beantwortet Ihnen gern Frau/Herr …
  • Wenn Sie weitere Informationen wünschen: Wir antworten Ihnen gern.
  • Sind Sie mit diesem Vorschlag einverstanden? Bitte informieren Sie uns bis 25. Mai. Vielen Dank.
  • Sie haben noch Wünsche? Zögern Sie bitte nicht, uns anzurufen.
  • Wie gefällt Ihnen mein Angebot?
  • Viel Erfolg beim Weihnachtsgeschäft.
  • Wir freuen uns auf Ihren Anruf.


Und auch beim Thema „Grußformel“ plagt viele Briefautoren die Frage: „Kann ich das so schreiben?“ Höflich gemeinten, aber doch bisweilen unterwürfig klingenden Ehrbezeugungen wie „Hochachtungsvoll“ oder gar „Mit vorzüglicher Hochachtung verbleibe ich“ begegnet man tatsächlich noch, gehören aber – zumindest in Deutschland – der Vergangenheit an. Und es müssen auch nicht immer nur freundliche Grüße sein.


Verabschieden Sie sich – je nachdem, wie gut Sie mit dem Empfänger bekannt sind – kurzweilig, flott und modern:

 

2. Grußformeln:

  • Freundliche Grüße
  • Beste Grüße
  • Liebe Grüße
  • Wir grüßen Sie freundlich
  • Alles Gute und herzliche Grüße
  • Eine erfolgreiche Woche wünscht Ihnen
  • Ich freue mich auf unser Treffen
  • Für Ihre Mühe dankt schon heute
  • Vom Rhein zur Isar grüßt
  • Auf ein Gespräch mit Ihnen freut sich
  • Auf gute Zusammenarbeit freut sich

Haben Sie erst einmal ein wenig Übung, wächst die Lust zur Variation ganz von selbst, versprochen! Seien Sie einfach ein wenig kreativ und formulieren Sie mit Fantasie. Denn wichtig ist auch bei einer zeitgemäßen Formulierung: Wir sollten sie von Fall zu Fall überlegt und gezielt einsetzen und keine „modernen Phrasen“ daraus machen.

Haben Sie also viel Spaß beim Mutigsein!

Ach ja, der Schlusssatz: Sie haben noch Fragen oder sind bei der ein oder anderen Formulierung unsicher? Zögern Sie nicht, rufen Sie mich einfach an.

 

Korrespondenztipps aus vorangegangenen Ausgaben:

Wie fange ich den Brief/die E-Mail an? »
Die richtige Anrede in Briefen und E-Mails »