Bürokultur heute, Silke Heep-Rheinganz, Bacharach-Neurath
Bürokultur heute, Silke Heep-Rheinganz, Bacharach

Sie haben es in der Hand ...

So geht es dem Lesestapel an die Substanz ...


Sie haben einen extra Stapel oder ein Fach mit Unterlagen, Zeitschriften etc., die Sie „nur" lesen wollen? Ja wunderbar! Denn dieses Nur-Lesen-Material sollten Sie unbedingt von Arbeits- und Projektunterlagen usw., die noch bearbeitet oder abgeheftet werden müssen, trennen.

Um diesen Lesestapel nun auch abzuarbeiten, bieten sich ja bekanntlich mehrere Möglichkeiten an:

  • Wir greifen immer mal zu, wenn wir z. B. beim Arzt oder Friseur mit längeren Wartezeiten rechnen müssen.
  • Wir nehmen uns Unterlagen mit auf eine längere Zugfahrt.
  • Wir hängen eine halbe Stunde an die Mittagspause dran und erlauben uns lesend in der Sonne zu sitzen – schlagen so also gleich 2 Fliegen mit einer Klappe :-)

So bleibt der Lesestapel schön im Gleichgewicht und verursacht keine Bauchschmerzen. ... Soweit zumindest die Theorie. Denn die Praxis sieht oft anders aus: Kaum hat man 5 Zentimeter abgebaut, kommen 10 neue hinzu. Nicht dass Sie nun glauben, ich unterstelle Ihnen mangelnde Disziplin. Natürlich nicht, denn oft genug können wir gar nichts dafür:

  • Beim Arzt kommen wir ganz unerwartet 3 Mal hintereinander sofort und ohne Wartezeit dran; die Zeitschriften wandern daher ungelesen wieder auf den Stapel.
  • Im Zug gesellt sich eine nette und unterhaltsame Dame zu uns; die eingeplanten 2 Stunden vergehen wie im Flug, ohne dass wir auch nur eine Seite gelesen haben.
  • Und auch das Wetter lässt uns im Stich: es regnet tagelang, von Sonne keine Spur. Gut für unsere übrige Arbeit, beim Lesestapel ist allerdings keine Entspannung in Sicht.


Und so wächst der Stapel munter weiter, 40 – 60 und mehr Zentimeter sind keine Seltenheit. Gerät diese Sammlung in Schieflage und fällt um, ist die schlechte Laune schon vorprogrammiert. Nun könnten wir natürlich hergehen und eine Zimmerecke nutzen – so wäre der Stapel wenigstens nach 2 Seiten abgesichert ...

Platz begrenzen

 

Aber die Tatsache, dass wir mehrere Tage, wenn nicht sogar Wochen brauchen, um den Berg abzubauen, lässt sich damit nicht aus der Welt schaffen. Also muss wohl doch eine andere Lösung her ...

Tipp Geben Sie den Ton an, begrenzen Sie von vorneherein den Raum!

Und so geht's:
Definieren Sie ein nach oben begrenztes Fach im Schrank oder Regal, in dem das Lese-Material künftig seinen Platz findet. Die Höhe des nächsten Zwischenbodens – es wäre super, wenn Sie unter 20 Zentimetern bleiben –

Platz begrenzen       

bestimmt ab sofort die maximale Höhe Ihres Lesestapels. Auch ein stabiler Stehsammler, z. B. aus Holz, ist hierfür prima geeignet.           


Stehsammler

Tabu sind hingegen alle offenen Flächen wie Fußboden, Tische etc. ... Nein, auch nicht unter dem Tisch mit der Tischplatte als Begrenzung, das sind eindeutig mehr als 20 Zentimeter. Und bevor Sie nun auf die Idee mit dem zweiten Stapel kommen – auch das bitte unbedingt verkneifen ;-)

Ist das Fach nun fast voll, haben Sie die Wahl:

  1. Sie schaffen Platz, indem Sie eine Lesestunde einplanen oder
  2. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass Sie die Zeit nicht haben und realistisch gesehen auch in den nächsten Tagen und Wochen nicht haben werden und werfen das untere Viertel ungelesen (und ohne noch einmal darin zu blättern!) weg.

Tipp Werfen Sie ohne schlechtes Gewissen weg! Wie negativ sich der stetig wachsende Stapel auf Sie auswirkt, muss ich Ihnen nicht erzählen, das wissen Sie am besten!
Sollte Ihnen das ungelesene Wegwerfen zunächst noch Bauchgrummeln bereiten, bleiben Sie trotzdem dabei. Na klar kostet es anfangs etwas Überwindung; aber es wird mit der Zeit einfacher – versprochen!


Mehr ist tatsächlich nicht nötig: Sie definieren einen geeigneten Platz und vereinbaren mit sich selbst, dass Sie nach kurzer Überlegung eine klare Entscheidung treffen: LESEN oder WEGWERFEN.


Übrigens:
Diese Raumbegrenzung eignet sich zum Beispiel auch für einen immer größer werdenden Stapel mit Schmierpapier. 5 Zentimeter Papier sind schon ordentlich und reichen in den meisten Fällen völlig. Ggf. fragen Sie doch einfach mal Ihren Kollegen, ob er noch Bedarf hat. Weitere Dinge mit reichlich Wachstumspotential sind Bestell-Kataloge, Klarsichtfolien, Werbe-Notizblöcke ... Ach, ganz sicher fällt Ihnen auch noch etwas dazu ein.


Und sollten Sie zu den Menschen gehören, bei denen der Ablagekorb ständig überquillt und keine andere Methode greift, können Sie es ebenfalls mit einer nicht zu großzügigen Begrenzung – wie wäre es mit 2 – 3 Zentimeter? – versuchen. Vom Wegwerfen des unteren Viertels ohne vorherige Durchsicht rate ich in diesem Fall allerdings ab ;-)


Und nun viel Erfolg bei der Umsetzung!